Als Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) bezeichnet man eine Kohlehydratstoffwechselstörung, die häufig erstmalig während der Schwangerschaft auftritt beziehugnsweise erkannt wird.
Ursache sind einerseits verschiedene Schwangerschaftshormone, welche zu einer verminderten Insulinwirkung führen, und / oder andererseits die Ernährung sowie eine eventuelle erbliche Veranlagung.
Die Insulinausschüttung ist zu Beginn der Schwangerschaft eher vermindert, steigt dann aber erheblich an. Ähnlich wie beim Typ 2 Diabetes ist die Insulinproduktion häufig nicht ausreichend.
In Kooperation mit
der Abt. für Innere Medizin
und
Vera Kleinegrauthoff
(Diabetesberaterin)
Diagnose
Die Mutterschaftsrichtlinien, nach denen Ihre behandelnden Frauenärzte die Vorsorgeuntersuchungen ausrichten, sehen lediglich Urinkontrollen auf Zucker vor. Aber die Zuckerausscheidung im Urin (Glukosurie) ist ein sehr unzuverlässiger Parameter zur Diagnosestellung.
So hat nur die Hälfte der Schwangerschaftsdiabetikerinnen eine Glukosurie! Andererseits hat aber auch nur die Hälfte der Schwangeren mit einer Glukosurie einen Gestationsdiabetes.
Die Diagnose des Gestationsdiabetes kann nur durch einen sogenannten oralen Glukosetoleranztest (OGTT) erfolgen.
Fachgremien fordern deshalb, dass bei allen Schwangeren ein solcher Test durchgeführt wird. Dieser wird derzeit von den Krankenkassen nur bei bestimmten Risikofaktoren bezahlt.
Hierzu zählen :
- erhöhte mütterliche Gewichtszunahme in Abhängigkeit vom Ausgangsgewicht,
- Glukosurie,
- Verdacht auf erhöhtes kindliches Gewicht (Makrosomie),
- Bluthochdruck,
- Gestationsdiabetes in einer vorherigen Schwangerschaft.
Am Abend vor dem Test sollte die letzte Mahlzeit bis 22 Uhr erfolgen, danach sollten Sie nüchtern bleiben. Am Morgen erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung des Nüchternblutzuckers. Danach erhalten Sie 75 Milligramm Glukose als Trinklösung. Nach ein und zwei Stunden erfolgt jeweils eine weitere Blutentnahme.
Für die Diagnosestellung gibt es bestimmte Grenzwerte. Wenn nur einer dieser drei Blutzuckerwerte überschritten wird, spricht man von einer Glukosetoleranzstörung. Sind jedoch zwei oder drei Werte überschritten, spricht man von einem Gestationsdiabetes.
Daneben gibt es noch einen sogenannten Screeningtest für alle Schwangeren. Dieser dauert nur eine Stunde, die Schwangere muss für diesen Test nicht nüchtern sein. Sie erhält 50 Milligramm Glukose als Trinklösung. Sollte der nach einer Stunde bestimmte Blutzucker mehr als 140 Milligramm pro Deziliter betragen, muss ein OGTT (wie oben beschrieben) durchgeführt werden.
Therapie
Die Therapie des Gestationsdiabetes steht auf zwei Pfeilern: der Ernährungsumstellung und der Insulineinstellung. Bei den meisten Patientinnen genügen die diätischen Maßnahmen zur Blutzuckeroptimierung. Die übrigen benötigen zusätzlich Insulin. In Absprache mit Ihrem Frauenarzt und in Abhängigkeit der Blutzuckerwerte erfolgt diese Einstellung ambulant oder stationär.
Folgen für Mutter und Kind bei unbehandeltem oder schlecht eingestelltem Gestationsdiabetes
Während der Typ 1- und der Typ 2 Diabetes mellitus nach mehreren Jahren zu Schädigungen der Augen, der Blutgefäße, der Nieren und der Nerven führen, betreffen die Auswirkungen des im allgemeinen kürzer bestehenden Schwangerschaftsdiabetes das Kind und die Geburt.
Da die Nährstoffe, unter anderem die Kohlehydrate, über den Mutterkuchen und die Nabelschnur auf das Kind übergehen, reagiert es auf die hohen Blutzuckerwerte mit einer erhöhten Insulinproduktion und baut den Zucker als Fett in den eigenen Körper ein. Hierdurch wird der Fetus dicker und größer (Makrosomie). Es besteht häufig eine Reifungsstörung der Lunge mit Anpassungsstörungen. Gleichzeitig produziert das Kind mehr Urin, wodurch die Fruchtwassermenge zunimmt. Dieses sind Risiken für einen vorzeitigen Blasensprung und eine Frühgeburt.
Zudem ist die Geburt eines großen Kindes oft auf normalem Wege nicht möglich und die Rate der Kaiserschnitte erhöht.
Die Durchblutung im Mutterkuchen ist ebenfalls gestört. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Kindes kann nur durch eine erhöhte Menge an Blutfarbstoff (Polyglobulie) gewährleistet werden. So haben Kinder von Gestationsdiabetikerinnen ein erhöhtes Risiko, mit einem sehr hohen Gehalt roten Blutfarbstoffs auf die Welt zu kommen. Hierdurch erhöht sich das Risiko einer Neugeborenengelbsucht (Ikterus), die durch den Abbau des Blutfarbstoffs nach der Geburt entsteht.
Durch die Behandlung des Gestationsdiabetes lässt sich das mit der Erkrankung verbundene Risikoniveau auf das Risikoniveau einer gesunden Schwangeren senken.
Betroffene sollten wegen des im weiteren Verlauf des Lebens deutlich erhöhten Risikos für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes gemäß den Richtlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung und dann einmal jährlich einen OGGT durchführen lassen.













