Perinatalzentrum - zertifiert nach DIN ISO 9001 -

Das Evangelische Krankenhaus Lippstadt ist ein Geburtszentrum der höchsten Versorgungsstufe und speziell für die Begleitung von Früh- und Risikogeburten ausgestattet.  

Wann immer das Leben uns braucht. EVK Lippstadt – seit über 160 Jahren an Ihrer Seite.

Perinatalmedizin und Ultraschall

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge sind in Deutschland drei Ultraschall-Screening-Untersuchungen vorgesehen, welche ca. in der 10. Schwangerschaftswoche (SSW), der 20. bis 22. SSW und in der 29. bis 32. SSW stattfinden sollten. Den ersten Ultraschall wird in der Regel Ihr Frauenarzt in der Praxis durchführen.

Schwerpunkte unserer Abteilung bilden die Durchführung des sogenannten Erst-Trimester-Screenings (Nackentransparenz-Messung) in der zwölften bis 14. SSW (zertifiziert durch FMF-Deutschland) und der sogenannte „große Ultraschall“, auch kindlicher  „Fehlbildungsultraschall“  genannt, welcher im Bereich der 21. / 22. SSW durchgeführt wird. Weitere Schwerpunkte bilden der Einsatz der Dopplersonografie (Durchblutungsmessung der mütterlichen und kindlichen Gefäße) zur Erkennung von Gefahrensituationen durch Minderversorgung des Ungeborenen sowie die Betreuung von Mehrlingsschwangerschaften.

Schickt Ihr Frauenarzt Sie mit dem Verdacht auf eine Auffälligkeit beim ungeborenen Kind zu uns oder sollten bei uns im Verlauf der Ultraschalluntersuchungen Fehlbildungen gefunden werden, bieten wir Ihnen neben einer umfassenden Beratung weitergehende Information durch erfahrene Kollegen unserer Kinderklinik an.

Sollten invasive Untersuchungen durchgeführt werden, zum Beispiel eine Amniozentese (AC, Fruchtwasseruntersuchung), Chorionzottenbiopsie (CVS, Mutterkuchenuntersuchung) oder Kordozentese (Nabelschnurpunktion), sind diese Untersuchungen entweder am gleichen Tag oder sehr zeitnah durch erfahrene Ärzte in unserer Klinik möglich. Bei Notwendigkeit werden selbstverständlich über das vorgesehene Screening hinausgehend zusätzliche Ultraschalluntersuchungen veranlasst.

Im Folgenden möchten wir Ihnen genauere Information zu den oben genannten vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen und Eingriffen geben.

Ultraschalluntersuchungen

  • Nackentransparenz-Screening (12. bis 14. SSW)
  • Zweites Ultraschall-Screening (20. bis 22. SSW)
  • Drittes Ultraschall-Screening (29. bis 32. SSW)
  • Doppler-Sonografie

Eingriffe

  • Chorionzottenbiopsie (CVS, Mutterkuchengewebsentnahme)
  • Amniozentese (AC, Fruchtwasseruntersuchung)

Beschreibung der Ultraschalluntersuchungen

Trimester-Screening, Nackentransparenz-Screening 

Das Nackentransparenz-Screening wird von der 12. bis 14. SSW (Scheitel-Steiß-Länge des Embryos 45 bis 83 Millimeter) durchgeführt und dient

  • der Feststellung der Größe des Kindes und damit des exakten Schwangerschaftsalters beziehungsweise des errechneten Entbindungstermins,
  • bei Mehrlingsschwangerschaften der Feststellung der Eineiigkeit,
  • dem Erkennen grobstruktureller Auffälligkeiten des Feten,
  • dem Messen der fetalen Nackentransparenz und nach Wunsch der Errechnung des individualisierten Risikos für das Vorliegen einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) in der jetzigen Schwangerschaft. Dieses kann, wenn gewünscht, mit einer mütterlichen Blutabnahme zur Verbesserung der Aussage kombiniert werden.

Zweites Ultraschall-Screening (20. bis 22. Schwangerschaftswoche)

Der „große Ultraschall“ oder kindlicher „Fehlbildungsultraschall“ dient

  • dem genauen Vermessen des Kindes,
  • der Beurteilung der Fruchtwassermenge,
  • der speziellen Fehlbildungsdiagnostik, wobei einzelne kindliche Organe genau angesehen werden,
  • der Beurteilung des Sitzes des Mutterkuchens und der Versorgung der Gebärmutter.

Durch eine genaue kindliche Fehlbildungsdiagnostik können anatomisch Auffälligkeiten an einzelnen Organen erkannt werden. Es ist durch eine Ultraschalluntersuchung nicht möglich, eine kindliche Chromosomenerkrankung (zum Beispiel Down-Syndrom, Trisomie 21) / genetische Erkrankung oder Stoffwechselerkrankung mit Sicherheit zu erkennen oder auszuschließen.

Drittes Ultraschall-Screening (29. bis 32. Schwangerschaftswoche)

Die dritte Ultraschalluntersuchung dient

  • insbesondere der Beurteilung des Wachstums des Kindes,
  • der Beurteilung der Fruchtwassermenge und des Mutterkuchens,
  • der Beurteilung von kindlichen Organen.

Bei Notwendigkeit erfolgt eine dopplersonografische Untersuchung.

 

Dopplersonografie 

Als Dopplersonografie bezeichnet man die Messung der Durchblutung in mütterlichen oder kindlichen Gefäßen. Diese Untersuchung ist in besonderen Situationen sinnvoll, um die Versorgung des ungeborenen Kindes besser als durch eine alleinige Ultraschalluntersuchung einschätzen zu können.

Die Dopplersonografie wird unter anderem durchgeführt bei

  • vermindertem Wachstum des Kindes,
  • Fehlbildungen des Kindes,
  • Unregelmäßigkeiten des kindlichen Herzschlags,
  • mütterlichen Problemen im Rahmen der Schwangerschaft wie schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck oder Schwangerschaftszucker (Schwangerschaftsdiabetes).

 

Chorionzottenbiopsie (CVS) Plazentapunktion (Mutterkuchengewebeentnahme)

Beschreibung der Eingriffe

Bei der Chorionzottenbiopsie (11+0 bis 13+6 SSW) wird etwas Gewebe aus dem Mutterkuchen entnommen, in der Regel zur Bestimmung der Anzahl der kindlichen Chromosomen. Eine Mutterkuchengewebsentnahme kann bei Wunsch nach schneller Chromosomendiagnostik auch später in der Schwangerschaft durchgeführt werden (Plazentapunktion). 

Im Einzelfall können bei bestimmten Fragestellungen, zum Beispiel beim Vorhandensein bestimmter Erberkrankungen in der Familie der Eltern, spezialisierte Untersuchungen an den Chorionzotten durchgeführt werden, um zusätzliche Erkrankung zu erkennen. Voraussetzung hierfür ist eine vorherige humangenetische Beratung. 

Indikation

  • Mütterliches Alter > 35 Jahre
  • Angst vor kindlicher Chromosomenerkrankung
  • Auffälliger Ultraschall, zum Beispiel erweiterte kindliche Nackentransparenz, in der Screening-Untersuchung
  • Erbliche Chromosomenerkrankung / Stoffwechselerkrankung in der Familie, welche vorgeburtlich zu diagnostizieren ist.

Komplikationen

Das Fehlgeburtsrisiko liegt bei einem Prozent. 

Durchführung

Die Chorionzottenbiopsie wird ambulant durchgeführt. Unter Ultraschallsicht wird das Mutterkuchengewebe durch die mütterliche Bauchdecke (transabdominal) entnommen. Eine deutliche körperliche Schonung sollte für den Rest des Tages eingehalten werden.

Ergebnis

Bei Untersuchung der Zahl der kindlichen Chromosomen liegt das Ergebnis der direkten Untersuchung nach drei bis fünf Tagen vor. Zusätzlich werden immer Kulturen der Chorionzotten angelegt, deren Ergebnis nach zwei bis drei Wochen vorliegt.

 

Amniozentese / AC / Fruchtwasseruntersuchung

Bei der Amniozentese wird etwas Fruchtwasser aus der Fruchthöhle entnommen, in der Regel zur Bestimmung der Anzahl der kindlichen Chromosomen. Das Schwangerschaftsalter sollte mindestens 14+0 SSW betragen. Im Einzelfall können auch bei der Fruchtwasseruntersuchung bei bestimmten Fragestellungen, zum Beispiel beim Vorhandensein bestimmter Erberkrankungen in der Familie der Eltern, nach vorheriger humangenetischer Beratung spezielle Untersuchungen vorgenommen werden.

Indikation

  • mütterliches Alter > 35 Jahre
  • Angst vor kindlicher Chromosomenerkrankung
  • Auffälliger Ultraschall, Verdacht auf kindliche Fehlbildung
  • Erbliche Chromosomenerkrankung / Stoffwechselerkrankung in der Familie welche vorgeburtlich zu diagnostizieren ist
  • Auffälliger Triple-Test beim Frauenarzt
  • Bei Verdacht auf einen offenen Rücken Bestimmung des Hormons alpha-Fetoprotein (AFP) im Fruchtwasser.

Komplikationen

Das Fehlgeburtsrisiko nach Amniozentese liegt bei einem Prozent.

Durchführung

Die Amniozentese wird ambulant durchgeführt. Unter Ultraschallsicht wird eine dünne Nadel in die Fruchthöhle eingeführt und zirka 16 Milliliter Fruchtwasser entnommen. Das Risiko einer kindlichen Verletzung ist aufgrund der kontinuierlichen Ultraschallüberwachung des Eingriffs sehr gering. Eine deutliche körperliche Schonung sollte für den Rest des Tages eingehalten werden.